Samstag, 16. November 2013

Was strategische Planung von Architektur lernen kann

Es gibt ungezählte Beispiele, bei denen einfache Grundeinsichten mit Beispielen aus der Tier- und Plfanzenwelt oder simple Analogien belegt werden sollen. Meisten kann man darüber milde lächeln. Manchmal aber helfen solche Vergleiche auch, tatsächlich wichtige Grundeinsichten zu verinnerlichen.

So ging es mir heute beim Lesen eines Artikels von Andrew Campbell und Mark Lancelott im HBR Blog Network. Klar, es gibt keine wirklich neuen Erkenntnisse. Aber durch den Vergleich zweier zunächst sehr unterschiedlicher Prozesse, kann man sich einige Grundweisheiten sehr gut plausibel machen.

Campbell und Lancelott vergleichen die Entwicklung einer Strategie mit der architektonischen Planung für ein Haus. Ein Architekt beginnt nicht mit einer detailreichen Reinzeichnung einer Etage, sondern versucht zunächst einige Grundeinsichten festzuhalten: Küche nach Osten wegen der Morgensonne, Garage in der Nähe der Küche, damit man die Einkäufe nicht weit tragen muss, Gäste-WC neben der Eingangstür etc.

Erst mit diesen ersten Grundinformationen - quasi das, was im betriebswirtschaftlichen Kontext die Konfiguration eines Unternehmens nennt - kann man einen Grobentwurf entwickeln. Man zeichnet die Konturen seiner Ideen, so dass man ein einheitliches Bild über das Ziel erreicht.

Auf diesem Level 2 bleiben allerdings viele strategische Planungen innerhalb von Unternehmen stehen. Was ein Architekt jetzt aber macht, ist die grobe Skizze zu verfeinern. In Level 3 erstellt er einen maßstabsgerechten Bauplan, in Level 4 wird dieser Bauplan um Ressourcen ergänzt (welche Materialien, in welchen Mengen etc.) und Level 5 ist die dauernde Anpassung und Fortschreibung des Plan während der Baumaßnahmen.

Ganz ehrlich: Level 1 und Level 2 das hat viel mit Wünschen, Visionen und Ideen zu tun. Die eigentliche Arbeit - eines guten Strategen wie eines Architekten - beginnt mit der Umsetzung der groben Idee in durchführbare und umsetzbare Konkretisierungen. Welche Auswirkungen wird die Strategie genau auf die nächsten Geschäftsperioden haben, welche Maßnahmen müssen umgesetzt werden, welche Ressourcen werden dafür benötigt? Das sind Fragen, die im Alltag zwar gelöst werden, aber oft losgekoppelt von der eigentlichen Strategie.

Das heißt konkret: Die Strategie ist ein gut klingendes Statement, das hinter Glas gerahmt im Besprechungszimmer hängt. Die Umsetzung ist business as usual. Stellen Sie sich vor, so würde ein Architekt arbeiten? Er zeigt Ihnen ein Haus auf quadratischem Grundriss mit zwölf Fenstern pro Etage und einem Walmdach. Dann wird gebaut und plötzlich steht auf Ihrem Grundstück ein skandinavische Holzhaus im L-Format.

Strategische Planung hört nicht bei der Entwicklung einer strategischen Perspektive auf. Strategische Planung beginnt bei der strategischen Perspektive und hat viel mit Arbeit, wenig mit Inspiration zu tun.

Guter Text, wird in meine Bibliografie aufgenommen:

Campbell, Andrew / Lancelott, Mark (2013): What Strategists Can Learn from Architecture. blogs.hbr.org/2013/11/what-strategists-can-learn-from-architecture/

Freitag, 15. November 2013

9 Worte, die man in einem Business Plan nicht verwenden sollte

Buzzwords, Anglizismen, Marketing Lingo, Biz Sprech: Je weniger man weiß, desto eher braucht man Hülsen, mit denen man vorspiegeln kann, man wüsste doch etwas. Das ist nicht nur im Geschäftsalltag so, sondern - und vielleicht sogar: insbesondere - dann, wenn junge Unternehmer Geld von alten Investoren haben wollen, wenn also Ideen auf Erfahrung treffen.

Rod Kurtz hat die neun schlimmsten Worthülsen, die man oft in Geschäftsplänen findet, aufgelistet:

1. konservativer Forecast
Die Entwicklung der Umsätze basiere auf konservativen Annahmen. Die Entwicklung der Kosten basiert dagegen auf sehr realen Annahmen. Umsätze sind in einem Businss Plan wie Kosten: Sie können anders ausfallen, als geplant. Sie sollten aber beide schlicht und einfach nachvollziehbar und belastbar sein.

2. Forecast Assumptions
Stellen Sie sich vor, der abendliche Wetterbericht würde mit den Worten eröffnen: Die folgenden Ausführungen basieren auf Annahmen hinsichtlich der Entwicklung von Isobaren auf Basis eines Modells, mit dem wir auch schon früher gearbeitet haben ...". Alles, was in der Zukunft liegt, basiert auf Annahmen. Wenn man darauf expliziti hinweisen muss, zeigt man, dass man seinen Annahmen selbst nicht vertraut.

3. Game Changer
"Wir haben die Idee, die ein bestehendes Geschäft auf den Kopf stellt". Nun gut, dann sollte man Sie zum Nobelpreis vorschlagen. Game Changer kann man nicht planen, Game Changer entstehen im Zusammenwirken von so vielen unterschiedlichen Einflussfaktoren, dass man sie ex ante nicht planen kann.

4. Disruptiv
Das führt direkt zum nächsten überflüssigen Wort: disruptiv. Disruptive Innovationen sind eher selten und sie sind vor allem erst ex post als solche zu erkennen. Wenn Sie Spielregeln durch disruptive Innovationen verändern wollen, dann werden Sie Sektenführer, aber nicht Unternehmer.

5. Pivot
Pivot ist ein MBA-Wort, das nett klingt und dabei eigentlich ausdrückt: "wir wissen nicht, ob unsere Strategie aufgehen wird. Wir wissen auch gar nicht, ob unsere Idee so gut ist".  Das ist etwas, was Investoren gerne lesen.

6. Solution Provider
Ja bitte was sollte man als Unternehmen anderes sein als ein Lösungsangebot für bestehende Probleme? Jedes Unternehmen ist ein Solution Provider. Wenn man das zu seiner persönlichen Gründungsidee hochstilisiert, disqualifiziert man sich.

7. End-to-End
Dazu muss ich den Originaltext von Rod zitieren, weil der es so schön auf den Punkt bringt: “That's just so moronic. It's like saying, ‘I have a beer in a glass, it comes from a tap, and it comes to my table—it’s an end-to-end solution!’ End-to-end is just an empty statement. What does it mean?”

8. Mass customization
Die Personalisierung von Produkten (also eine massenhaft hergestellte Ware durch Hinzufügen von etwas quasi zu einem Unikat zu machen) ist ein Megatrend. Aber der ist auch nicht mehr ganz so innovativ, wie viele Startups es glauben machen möchten. Und das Wort "Massenanpassung" ist auch nicht so wirklich clever gewählt, es zeigt, dass Sie möglicherweise nicht genau verstehen, was Sie tun.

9. Competetive Advantage
Man leses Porter, dann weiß man, was ein Wettbewerbsvorteil ist: Etwas, das andere nicht (so eben) nachmachen können. Wenn Ihr Wettbewerbsvorteil heißt: Wir haben auch eine App, oder: unsere Prozess sind so schlank - nun, dann würde man wohl milde lächeln und in Abrede stellen, dass Sie auch nur in Ansätzen wissen, worüber Sie reden.

Mobiltelefone: Samsung baut Marktführerschaft aus

Aktuelle Zahlen des Marktforschungsunternehmen Gartner belegen eindrucksvoll die derzeitig Dominanz von Samsung im Markt für Mobiltelefone: Im dritten Quartal lieferte Samsung jedes vierte weltweit verkaufte Mobiltelefon, insgesamt 117 Mio. Stück. Mit einem Marktanteil von fast 26% hat Samsung damit gegenüber dem Vergleichszeitraum 2012 um stolze drei Prozentpunkte zugelegt.

Weltweite Verkäufe von Mobiltelefonen im Q3 2013
Quelle: Gartner

Nokia als weltweite Nummer 2 verkauft nur noch etwa halb soviel Mobiltelefone wie Marktführer Samsung und noch einmal die Hälfte von Nokia ist das Volumen, das Apple beisteuert.

Diese Zahlen spiegeln sich auch wider, wenn man sich nur den Bereich Smartphones ansieht, die mittlerweile über die Hälfte aller weltweit verkauften Mobiltelefone ausmachen. Hier liegt Samsung mit 32% Marktanteil vor Apple mit 12% Marktanteil auf Platz 2. Überraschend: Auf Platz hat sich der chinesische PC-Hersteller Lenovo geschoben (das sind, die einst die Consumer-PC-Sparte von IBM und auch die deutsche Medion übernommen haben).

Schaut man sich die 250 Mio. verkauften Smartphones im dritten Quartal 2013 hinsichtlich des vorinstallierten Betriebssystems an, erinnert man sich an die 1990er Jahre und den vom Microsoft dominierten PC-Markt: Auf 82% aller neuen Smartphones läuft Android.

Donnerstag, 14. November 2013

Wie schreibt man erfolgreiche Überschriften im Internet?

Wer sich nur ein wenig mit SEO beschäftigt, weiß, dass Überschriften zentral für den Erfolg sind, ob eine Seite im Suchergebnis weit oben oder unter ferner liefen steht. Daher macht es Sinn, sich mit der Gestaltung von Überschriften im Internet besonders intensiv auseinanderzusetzen.

Über die gute Gestaltung von Überschriften speziell für Blogs hat sich Jamie Cartwright Gedanken gemacht. Er orientiert die konkrete Formulierung einer Überschrift am tatsächlichen Suchverhalten möglicher Leser. Dazu gibt Cartwright vier Tipps für Überschriften, die bei Google zu hohen Platzierungen führen.

1. A vs. B
Viele Menschen suchen bei Google nach Unterschieden zwischen Dingen, also z.B. Apple vs. Samsung, Miele vs. Bauknecht, Mallorca vs. Kanaren, Öffentlichkeitsarbeit vs. Social Media Marketing. Wenn eine Überschrift dies aufgreift, passt sie sehr genau zu den tatsächlichen Suchanfragen, die bei Google abgesetzt werden.

2. A to B comparison
Eine Weiterentwicklung der ersten Regel: Wenn man über etwas schreibt - die neue A-Klasse von Mercedes beispielsweise - macht es Sinn, sich schon in der Überschrift auf einen Vergleichspunkt zu beziehen - z.B. den 1er BMW  - und dies zum Aufhänger seiner Geschichte zu machen.

3. Top 10 
Menschen lieben Listen - man glaubt es kaum. Listen geben einem Orientierung über das, was gut ist, das was schlecht ist und alles andere, was offensichtlich langweilige und mittelmäßig ist. Daher funktionieren Überschriften immer gut, wenn sie vorgeben, die drei, fünf, zehn oder hundert besten Tipps zu irgendetwas zu geben.

4. Fragen
Menschen geben bei Google nach wie vor gerne Fragen ein wie "wann geht flug von stuttgart nach berlin". Eine Suchmaschine kann damit wenig anfangen und löst das in Schlüsselbegriffe auf. Findet Google jedoch genau diese Frageformulierung als Überschrift in einem Artikel, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man bei den Suchergebnissen ganz vorne steht.

Google App Indexing

Google App Indexing
Google nimmt auch Inhalte von Apps in die Suchmaschine mit auf. Schöne Idee von Google: Unter Android lassen sich nun auch die Inhalte von Apps für die Google-Suche indizieren und über die normale Google-Suche finden. D.h. wenn ein Galaxy-Nutzer mit Android Betriebssystem die Google-Suche startet und nach einem guten Restaurant sucht, kann er in Zukunft nicht nur Webseiten öffnen, sondern z.B. auch direkt die passende Seite in einer App von Yelp zum Beispiel. Sehr schöne Verzahnung von Web und App, leider erstmal nur in den USA verfügbar.

Freitag, 1. November 2013

Die größten sozialen Netzwerke der Welt

Dass Facebook das größte soziale Netzwerk im Internet ist, ist hinlänglich bekannt. Und dass YouTube - wenn man YouTube überhaupt als soziales Netzwerk definierten - auch ziemlich groß ist, überrascht ebenfalls nicht. Was aber tut sich dahinter?

Die größen sozialen Netzwerke, Quelle: BI Intelligence
Von einer deutschen Perspektive wäre man geneigt zu sagen, da kommt nicht mehr viel, schließlich hat sich hierzulande gezeigt, dass regionale Alternativen zu Facebook nicht funktionieren und sich die Menschen lieber in einer globalen Community aufhalten. Das stimmt aber nicht pauschal. Das drittgrößte Netzwerk heißt nämlich QZone und vereint 712 Mio. aktive Nutzer - ist also zweimal so groß wie What's App und drei Mal so groß wie Twitter.

Apropos What's App: Drei der zehn größten sozialen Netzwerke im Internet sind Messenger-Dienste: Neben What's App (350 Mio. User) heißen die LINE (275 Mio. Nutzer) und WeChat (236 Mio.).

Spannendes gibt es auch zu LinkedIn. Der BI Intelligence Report schreibt, dass 25% aller LinkedIn-Nutzer aus Indien stammen und damit mehr Inder als US-Amerikaner auf dieser Plattform aktiv sind. Und als einziges großes soziales Netzwerk, das in China nicht offiziell gesperrt ist, hat LinkedIn in China 20 Mio. aktive Nutzer.

Viele weitere spannende Fakten sind im BI Intelligence Social Media Report 2013 enthalten.