Donnerstag, 30. Januar 2014

Ohne Klatsch und Tratsch gäbe es keine Unternehmen

Klatschweiber und der Teufel, Holzschnitt von Hans Weiditz
Anfang 16. Jahrhundert (Public Domain)
Warum arbeiten Menschen miteinander, wo doch jeder einzelne ganz individuelle Ziele verfolgt? Forscher der Stanford University haben diese Frage untersucht und festgestellt, dass Klatsch und Tratsch (informelle Kommunikation) dazu führen, dass man den einzelnen Gruppenmitgliedern Reputation zurechnen kann und daraufhin festlegt, mit wem man wie zusammenarbeitet, um seine eigenen Ziele zu erreichen und wen man abstraft, weil er sich z.B. in der Vergangenheit eigensüchtig verhalten hat.

Erst durch diese informellen Kommunikationsprozesse (und die Kenntnis um sie - Stichwort: ist der Ruf erst ruiniert, lebt's sich gänzlich ungeniert) laässt sich dauerhafte Kooperation ohne Zwang sicherstellen oder anders formuliert: "the spread of reputational information through gossip can mitigate egoistic behavior by facilitating partner selection, thereby helping to solve the problem of cooperation even in noniterated interactions" (Quelle: Clifton B. Parker-Stanford auf Futurity.

Die Studie ist (kostenpflichtig) online verfügbar: Feinberg, Matthew / Willer, Robb / Schultz, Michael (2014): Gossip and Ostracism Promote Cooperation in Groups, Psychological Science 0956797613510184, first published on January 24, 2014 

Donnerstag, 16. Januar 2014

Quizduell: Eine Idee alleine reicht nicht

Ich habe gerade einen für mich spannenden Artikel auf meedia gelesen über die App Quizduell und deren doch gehörigen Erfolg. Derzeit sind wohl allein sechs Millionen Nutzer in Deutschland registriert, wenn ich das richtig interpretiere.
Nostalgie: Alter Screenshot aus dem Sixbreak-Lastenheft

Ich zitiere aus dem Text von Meedia: "Die Idee des Spiels ist einfach wie süchtig machend: In kurzen Duellen kann jeder Nutzer mit einem beliebigen Kontrahenten sein Wissen vergleichen. Sechs Kategorie mit drei Fragen und je vier Antwortmöglichkeiten. Es kann jederzeit und an jedem Ort gespielt werden – und die Fragen werden auch von Spielern eingereicht und sind daher oft sehr aktuell."

Das ist in etwa dasselbe, was wir in unserem Business Plan für Sixbreak formuliert und dann auch technisch auf Basis von OpenSocial und der Integration in die Vz-Netzwerke (wer war das gleich?) entwickelt haben - also genauer: ich hab nur gezahlt, entwickelt haben andere :)

Sixbreak, das darf man heute so sagen, ist über die Projektphase nicht hinaufgekommen. Ich betreibe die Seite aus Nostalgie weiter - mittlerweile allerdings als Portierung in eine Standard-CMS - nichts mehr von der Originalprogrammierung und dem Quizduell-Modus dar, für das wir - weil technisch nicht so ohne ganz ohne HTML5 seinerzeit - eine Förderung beantragt hatten, die Investitionsbank Berlin-Brandenburg aber gleich abwinkte und das als zu sophisticated fand.

Für mich ist das ein weiterer Beweis für mein Startup-Mantra: Nicht eine Idee macht den Erfolg, sondern alleine die Umsetzung. Und da haben wir bei Sixbreak - teils aus Ressourcenmangel, teils aus mangelndem Commitment, teils aus fehlender Kompetenz - einfach zu viele Fehler gemacht.

Wir waren - auch das schon wieder einige Jährchen her - dabei, eine App zu entwickeln und haben das letztlich dann nicht mehr umgesetzt, weil keiner mehr an den Erfolg geglaubt hat. Tja, hätte man vielleicht noch einen oder zwei Schritte mehr gehen sollen. That's life.


Montag, 13. Januar 2014

Bezahlkultur im Netz: Stimmt die BITKOM-Studie?

Heute vermeldet der BITKOM, das Sprachrohr der IT-, Telekommunikations- und Neue-Medien-Branche, dass jeder vierte Internetnutzer in Deutschland für journalistische Inhalte bezahlt und dabei im Schnitt 13,60 pro Monat ausgibt.

Ergebnisse einer aktuellen BITKOM-Studie (Quelle)
Bemühen wir den Taschenrechner: In Deutschland waren 2013 54,2 Mio. Menschen regelmäßig im Internet aktiv (Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie 2013)

Wenn jeder Vierte für journalistische Inhalte zahlt, sind das 13,55 Mio. Nutzer, die digitale Vertriebserlöse für journalistische Inhalte generieren (Quelle: Taschenrechner).

Wenn 13,55 Mio. Menschen monatlich €13,60 für journalistische Inhalte ausgeben, entspricht das einem Umsatz von €184,28 Mio. im Monat bzw. €2,2 Milliarden im Jahr (Quelle: wiederum Taschenrechner).

Da es sich, wie der BITKOM explizit hinweist, um eine repräsentative Studie handelt, sollte dieser "Dreisatz" eigentlich stimmig sein. Da stellt sich mir die Frage: Bei wem landet dieser Umsatz eigentlich?

Die Werbung, die online in Deutschland geschaltet wird, bringt es lauf Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft auf etwas über eine Milliarde Euro (Quelle: ZAW). D.h also: die Vertriebserlöse im Internet sind für journalistische Inhalte doppelt so hoch wie der gesamte Onlinewerbemarkt (der ja vor allem außerhalb von journalistischem Content über Suchmaschinenmarketing seine Umsätze erlöst). Oder noch anders: Springer, Spiegel, Burda & Co. sind doppelt so erfolgreich wie Google - wozu brauchen wir dann eigentlich ein Leistungsschutzrecht?

Sollte man jetzt sagen: Trau keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast? Eher nicht, aber es wäre schon sehr interessant zu wissen, wie das Zahlenmaterial erhoben wurde, damit Repräsentativität erreicht ist. Oder um mit §2 des Deutschen Pressekodex zu argumentieren: Auch eine Pressemitteilung sollte sorgfältig recherchiert sein.

Sonntag, 12. Januar 2014

Medienmanagement, Medienwirtschaft, Medienökonomie

(c) Thomas Becker Verlag
Dieser Text versucht die drei Begriffe Medienmanagement, Medienwirtschaft und Medienökonomie voneinander abzugrenzen und als eigenständige Fachgebiete zu beschreiben. Dabei werden folgende Definitionen hergeleitet:


  • Medienunternehmen sind Organisationen, die Inhalte veröffentlichen, um Gewinn zu machen.
  • Medienökonomie untersucht, wie für Angebot und Nachfrage nach Inhalten knappe Ressourcen von Produzenten und Nutzern eingesetzt werden. Makroökonomisch geht es um die Beschreibung von Medienmärkten in ihrer Gesamtheit, mikroökonomisch um das Verhalten einzelner Medienunternehmen im Hinblick auf Wettbewerb und Kunden.
  • Medienwirtschaft untersucht, welche Entscheidungen Unternehmen treffen, um mit Herstellung und Vertrieb von Inhalten Gewinn zu machen. Medienwirtschaft ist demnach eine spezielle Betriebswirtschaftslehre und erweitert die allgemeine Betriebswirtschaftslehre (eigentlich besser: business administration oder Unternehmensleitung) um spezielle Fragen, die sich für Medienunternehmen stellen.
  • Medienmanagement untersucht, wie Organisationen Medien einsetzen, um ihre Ziele zu erreichen und reiht sich damit ein in andere generelle Leitungsaufgaben wie Projektmanagement, Qualitätsmanagement oder Innovationsmanagement.

Becker, Thomas (2014): Medienmanagement, Medienwirtschaft, Medienökonomie. Versuch einer Begriffsbestimmung, Berlin: Thomas Becker Verlag
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Medienmanagement, Medienwirtschaft, Medienökonomie
Versuch einer Begriffsbestimmung


Sozialwissenschaften sind die Wissenschaften, die sich mit dem Zusammenspiel getrennter Individuen beschäftigen. Wie kooperieren Menschen, um zu überleben, sich fortzupflanzen, Häuser zu bauen, Kriege zu führen oder ganz allgemein: sich die Welt Untertan zu machen?

Man sieht schnell, dass Sozialwissenschaften sich mit ziemlich vielen Fragen und vor allem ziemlich wichtigen Fragen beschäftigen. Eine dieser wichtigen Fragen ist: Wie gehen wir Menschen mit knappen Ressourcen um? Wenn wir uns mit dieser Frage wissenschaftlich beschäftigen, bewegen wir uns auf dem Feld der Wirtschaftswissenschaften.

Die Aufgabe von Wissenschaft ist es, Wissen zu schaffen im Sinne der Produktion neuen Wissens (Forschung) und der Verbreitung bestehenden Wissens (Lehre). Dazu – das ist wichtig zu verstehen – hat die Wissenschaft nur eine Möglichkeit: Sie muss mit Hilfe einer Sprache (dem Medium) kommunizieren (also versuchen, auf das Verhalten anderer – der Studierenden, Schüler, Lernenden – einzuwirken nämlich diese zur Produktion des für sie neuen Wissens zu ermuntern). Ohne Sprache keine Wissenschaft.

Sprachen, mit denen man eigenes Wissen codieren kann, um es mit anderen zu teilen, gibt es viele. So hat sich z.B. die Mathematik entwickelt, die „Kunst des Lernens“. Mit ihr kann man sehr gut Regelmäßigkeiten beschreiben, die unter gleichen Bedingungen immer wieder zu gleichen Ergebnissen führen. Daher eignet sich die Mathematik sehr gut für die Beschreibung natürlicher Phänomene, wie sie Physik, Chemie und Biologie untersuchen. Die Anwendung von Mathematik als beschreibende Sprache erfordert eine gewisse Übung, da Mathematik streng formalisiert ist und man sich die Nutzung der Sprache erarbeiten muss. 

Der Gegenstand der Sozialwissenschaften ist der koordinierte Umgang getrennter Lebewesen miteinander. Anders als eine chemische Reaktion oder ein physikalisches Phänomen läuft gemeinschaftliches Verhalten üblicherweise unter gleichen Bedingungen nicht gleich ab. Wenn man Wasser und Kochsalz in einem bestimmten Verhältnis mischt, ist das Ergebnis immer gleich. Wenn man ein Ehepaar Nacht für Nacht ins gleiche Bett liegt, passiert Nacht für Nacht bestimmt nicht das Gleiche. Es gibt Häufigkeiten, die man ex post ermitteln kann, es gibt Wahrscheinlichkeiten, aus denen man Prognosen über das Verhalten ableiten kann. Aber es gibt keine sichere Aussage, wie sich das Ehepaar heute Abend verhalten wird. Man kann daher zugespitzt formulieren: Natürliche Phänomene sind trivial, soziale Phänomene dagegen komplex[1]

Während man mit der Mathematik triviale Probleme sehr gut beschreiben kann, eignet sie sich kaum für die Beschreibung komplexer Systeme wie etwa der Frage, welche Brötchensorte ich morgen zum Frühstück kaufen werde. Ich nutze bewusst dieses einfache Beispiel, um zu zeigen, dass Komplexität nicht per se mit komplizierten Begleitumständen einhergeht. Komplexität bedeutet, dass man das Verhalten oder die Reaktion eines Systems trotz der Kenntnis aller einzelnen Komponenten nicht eindeutig beschreiben kann, was z.B. heißt: Man kann keinen kausalen Zusammenhang herstellen wie: Wenn es regnet, kauft er Mohnbrötchen. 

Diese Vorbemerkung führt mich zu dem eigentlichen Problem: Um komplexe Phänomene wie das gemeinschaftliche Agieren getrennter Lebewesen zu beschreiben, nutzt man in der Regel keine formale Sprache wie die Mathematik, sondern die natürliche Sprache. Die Sozialwissenschaften nutzen Worte, um Bedeutungen auszudrücken. Und da wir häufig über Alltagsprobleme forschen und lehren, nutzen wir in der Regel in den Sozialwissenschaften Worte, die auch im Alltag verwendet werden.

Ein Wort ist eine sprachliche Einheit, also eine Codierung, die für eine Bedeutung steht. Diese Bedeutung sollte möglichst widerspruchsfrei und eindeutig sein – so wie man in der Mathematik davon ausgehen kann, dass alle Nutzer dieser Sprache wissen, was es bedeutet, zu multiplizieren oder zu addieren. 

Hier aber macht der Alltag den Sozialwissenschaften einen Strich durch die Rechnung. Man weiß aus seinem Alltagsverständnis, was Kommunikation ist, was Wirtschaft ist und wie der Markt funktioniert und wie Motivation und Führung zusammenhängen. Alles recht einfach und klar eben. 

Durch diesen umgangssprachlichen common sense, kommt es schnell zu einer gefährlichen Trivialisierung, wie man sie z.B. sieht, wenn man sich den Kommunikationsbegriff anschaut, mit dem die führenden Marketing-Lehrbücher arbeiten (ich meine hier explizit die drei Klassiker Kotler, Meffert sowie Nieschlag, Dichtl und Hörschgen, die alle von einem Sender-Empfänger-Modell ausgehen, das nahelegt, dass kommunikationspolitische Entscheidungen im Unternehmen sich in der Regel auf Entscheidungen der Budgetallokation konzentrieren). Dieses Trivialisierungsproblem entsteht insbesondere an den Schnittstellen zwischen den Fachdisziplinen, ohne die allerdings in der Sozialwissenschaft so gut wie keine Aussagen getroffen werden können, weil sich die „Realität“ selten an die Spielregeln einer einzelnen Fachdisziplin hält.

Ein zweites Problem, das aus dem umgangssprachlichen Schnell-Verständnis von teilweise recht komplexen Phänomenen entsteht, ist etwas, was man galoppierende Synonymität oder gefährliche Metaphorik nennen können. Durch die umgangssprachliche und oft auch bildliche Verwendung sozialwissenschaftlicher Begriffe wie Organisation, Führung, Medium, Kommunikation, Kultur etc. stehen diese Begriffe für alles und letztlich nichts. 

Beide Phänomene – Trivialisierung und Synonymität – sind gut im Feld der Medienökonomie zu beobachten. Man sollte meinen, dass diese Disziplin klar beschrieben ist. Doch das Gegenteil ist der Fall. 

Ein Begriff, so mein Anspruch, sollte eine Bedeutung begreifbar machen, also klar umreißen, für welchen Sinnzusammenhang der Begriff steht. Wenn man jedoch, wie dies bei den von mir durchgesehenen Werken zur Medienökonomie bzw. Medienwirtschaft bzw. Medienmanagement der Fall ist, zunächst darstellen muss, was man meint, wenn man von Medienökonomie schreibt, dann verwendet man keinen Begriff, sondern eine leere, beliebige Hülse. Man könnte dann die weiteren Ausführungen genauso gut unter die Überschrift „Taubentartar“ stellen und beginnen, zu erklären, was man damit in der Folge meint. 

Vergleicht man das mit dem axiomatischen Vorgehen der Mathematik, zeigt sich das Problem der Beliebigkeit in seiner konkreten Gefahr: Man stelle sich vor, man beginne eine mathematische Ausführung mit dem Satz: „Medien-Algebra beschäftigt sich mit dem Rechnen in Medien und außerdem der Verwendung technischer Hilfssysteme wie Taschenrechner. Wir zeigen im Folgenden, wie die Medien rechnen“.
 
Medienökonomie wie Medienwirtschaft wie Medienmanagement sind grammatikalische Kompositionen, also durch Verbindung bereits existierender Wörter zusammengesetzte neue Worte. Solche Komposita folgen meist dem Prinzip der Univerbierung, also der Informationsverdichtung, indem man die Bedeutung verschiedener Worte in einem neuen Wort zusammenfasst.

Gehen wir von dieser schlichten Ausgangslage aus, stellt sich die Frage, welche Bedeutung die Ursprungsworte haben. Beginnen wir bei dem Kopf des Kompositums, dem Wort Ökonomie (bzw. dem Wort Wirtschaft bzw. dem Wort Management). Der Kopf eines Kompositums bestimmt in der Regel endozentrisch auch die Semantik des neuen Worts, so dass wir bei Ökonomie (respektive Wirtschaft oder Management) jeweils klar die Dominanz des Kompositums verorten.

Was bedeutet Ökonomie? Der Begriff, ebenfalls ein Kompositum, setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen: oikos (dem Haus) und nemein (zuteilen, entscheiden). Es geht in der Ökonomie offensichtlich um die Regeln, wie Güter innerhalb einer Gesellschaft verteilt werden und damit um das grundsätzliche Prinzip, wie Gesellschaft mit Knappheit umgeht. 

Während historisch gesehen der Umgang mit Knappheit durch Verfahren wie Jagen und Sammeln, Krieg oder Familienzusammenschluss gelöst wurde, ist mittlerweile der freiwillige Tausch das Leitmotiv der Verteilung knapper Güter. Und da wir bis auf wenige Ausnahmen nicht Güter gegen Güter tauschen, sondern das Vermittlungsmedium Geld dazwischengeschaltet haben, ist die zentrale Frage der Ökonomie: Welcher Preis wird für welche Leistung gezahlt?

Preise beschreiben den realisierten Wert einer Leistung und sind damit zugleich bezifferbarer Ausdruck von Knappheit, verstanden als die soziale Wahrnehmung von Beschränkung im Unterschied zur bloßen Endlichkeit eines Guts[2]

Ein Preis entsteht als Ergebnis einer Verhandlung mit zwei Positionen: der Preisforderung und dem Preisgebot. Diese Verhandlung muss nicht explizit geführt werden, sondern lässt sich durch konkludentes Handeln verkürzen: man akzeptiert einen Preis und zahlt ihn. Immer aber beschreiben die tatsächlich gezahlten Preise den gesellschaftlich zugewiesenen Wert einer Leistung.

Um den Wert einer Leistung in einem Preis zu quantifizieren, braucht man ein Verfahren. Ein solches Verfahren stellt der Markt zur Verfügung, indem er es Käufern (Nachfragern) und Verkäufern (Anbietern) ermöglicht, miteinander auf Basis von Beobachtungen in Verhandlung zu treten bzw. eine passende Preisforderung zu stellen, die ohne explizite Verhandlung akzeptiert wird. Man kann also formulieren: Ein Markt dient dazu, den Wert knapper Güter zu bestimmen und bildet damit eine Brille, mit deren Hilfe Menschen den Wert von Leistungen beobachten und daran ihr Handeln orientieren. 

Wenn wir es also mit Ökonomie zu tun haben, haben wir es mit im Kern mit der Frage zu tun, welche Werte die Gesellschaft aktuell welchen Leistungen beimisst und wie aufgrund dieser Bewertung knappe Ressourcen sowohl auf der Angebots- wie auf der Nachfrageseite eingesetzt werden.

Was bedeutet Wirtschaft, wenn wir diesen Begriff als Kopf eines Kompositums wie in Medienwirtschaft verwenden? Man könnte zunächst allgemein vermuten, mit Medienwirtschaft sei eine spezielle Wirtschaftsbranche. Zieht man jedoch den Vergleich zu ähnlichen Komposita, ist offensichtlich nicht „die“ Wirtschaft gemeint, sondern eine spezielle Betriebslehre wie es auch bei den Begriffen Bankwirtschaft, Immobilienwirtschaft, Tourismuswirtschaft oder Gesundheitswirtschaft der Fall ist.

Solche Betriebslehren sind auf einzelne Branchen zugeschnittene Spezifizierungen einer allgemeinen Betriebswirtschaftslehre, die sich auf die Entscheidungen konzentriert, die in einem Betrieb – einer an Fremdbedarfsdeckung orientierten Erwerbswirtschaft – getroffen werden und dies sind Entscheidungen, die sich alle dem Ziel, Gewinn zu machen, unterordnen. 

Gewinne resultieren aus der Differenz von Ertrag und Aufwand. Betriebliche Entscheidungen orientieren sich an diesen beiden Polen: Sie betreffen den Zuwachs an Wert vor allem durch erzielte Erlöse (Umsatz) und sie betreffen den Verbrauch an Gütern vor allem in Form von Kosten. Eine Betriebslehre als Wirtschaftszweiglehre thematisiert demnach, welche Entscheidungen innerhalb einer Branche wesentlichen Einfluss auf Kosten und Erlöse haben. 

Schauen wir uns schließlich den dritten Begriff an, der als linguistischer Kopf das Kompositum Medienmanagement prägt: Was ist Management? Speziell in Fortschreibung der Arbeiten Peter Druckers, der Management als ein juristisch definiertes Organ des Unternehmens beschreibt, hat es sich eingebürgert, Management mit Unternehmensleitung und damit mit der Spitze der Entscheidungshierarchie gleichzusetzen. Diese Sichtweise greift jedoch deutlich zu kurz. 

Etwas zu „managen“ heißt, vorhandene Mittel zielgerichtet einzusetzen – und das zieht sich über alle Hierarchieebenen: vom Selbstmanagement des Vertriebsaußendienstlers über das Management der Kundenbeziehung, das der call agent durchführt, über die Qualitätssicherung, die Aufgaben des Qualitätsmanagements übernimmt, bis zum Management von Kunden- oder Entwicklungsprojekten. 

Ja, Management hat etwas mit Leitung zu tun, aber nicht im hierarchischen oder gar juristischen Sinne als Unternehmensleitung und auch nicht zwingend im Sinne von Führung. Es geht um Leitungsaufgaben, die viele Mitarbeiter neben ihren Ausführungsaufgaben mit zu erfüllen haben und im Zusammenspiel aller Leistungsaufgaben aller Mitarbeiter realisiert sich letztlich „das“ Management des gesamten Unternehmens.

Wenn diese drei begrifflichen Einordnungen tragfähig sind, dann ergibt sich konsequenterweise eine sehr klare Beschreibung, was unter Medienökonomie, Medienwirtschaft und Medienmanagement nur verstanden werden kann.

Medienökonomie untersucht, wie in Medienmärkten knappe Ressourcen auf der Angebots- und auf der Nachfrage eingesetzt werden. Auf der Makroebene arbeitet man dabei mit verdichteten Daten und beschreibt z.B. den Buchmarkt und welchen Einfluss etwa ein Wegfall der Preisbindung hätte. Auf der Mikroebene wird die Perspektive auf ein Unternehmen fokussiert und die Frage gestellt, wie sich dieses Unternehmen hinsichtlich Angebot und Nachfrage verhält und welche Folgen dies hat. Oder noch einfacher formuliert: Medienökonomie beschreibt die Angebots- und Nachfragesituation in Medienmärkten.

Medienwirtschaft untersucht, wie Medienunternehmen Entscheidungen treffen, um Kosten und Erlöse zu beeinflussen und dadurch den Gewinn zu steigern. Hier geht es etwa um Fragen wie make or buy, Einführung einer paywall, bilanzielle Bewertung von intellectual properties etc.

Medienmanagement untersucht, wie Unternehmen Medien und Kommunikation für das Erreichen ihrer Ziele einsetzen. Dies betrifft sowohl den Einsatz von Medien als Führungsinstrument in der Organisation als auch den Einsatz von Medien, um stakeholder der Organisation zu beeinflussen.

Während die letztgenannte Disziplin – Medienmanagement – nichts mit einer wie auch immer zugeschnittenen Medienbranche zu tun hat, sondern in allen Organisationen gebraucht wird, sind Medienökonomie und Medienwirtschaft jetzt noch dahingehend einzuordnen, dass man klar umreißen kann, welche Unternehmen Medienunternehmen sind und welche nicht. 

Dies ist nicht trivial, denn Medien sind elementar für alle Organisationen und viele Unternehmen sind im weitesten Sinne Medienunternehmen: Von Geräteherstellern wie Samsung oder Apple über Infrastrukturanbieter wie den Netzbetreibern und Vermarktern wie Amazon bis zu den Autoren, die originär Inhalte erstellen. 

Man muss sich bewusst sein, dass eine Rubrizierung von bestimmten Unternehmen als Medienunternehmen immer einer gewissen Willkür unterliegt und stark von der Perspektive abhängt, von der aus man „Medienunternehmen“ beschreiben will. Als eingeführte Struktur dürfte im deutschsprachigen Raum der Vorschlag von Bernd W. Wirtz gelten, der Medienunternehmen definiert als „organisierte Wirtschaftseinheiten, in denen die Bündelung eigen- und fremderstellter redaktioneller Inhalte (informatische und/oder unterhaltende Inhalte), die Transformation dieser Inhalte auf ein speicherfähiges Trägermedium sowie die direkte oder indirekter Distribution vorgenommen werden“[3].

Diese Definition über drei Kriterien, die Medienunternehmen von allen anderen Unternehmen abgrenzen, möchte ich als Ausgangspunkt nehmen, eine gewisse Vereinfachung und zugleich Klarstellung anzubieten.

  1. Redaktionelle Inhalte: Redaktionelle Inhalte legen nah, dass es um Fakten geht, denn die Aufgabe eines Redakteurs ist es, Fakten vor Veröffentlichung zu überprüfen. Diese Einschränkung macht Wirtz zwar bei einer Aufstellung von Beispielunternehmen wett (hier nennt er auch Spielehersteller, Filmstudios und Buchverlage), dennoch scheint es mir treffender, nicht von redaktionellen Inhalten, sondern allgemein von Inhalten (oder auch content) zu sprechen und damit bewusst Autoreninhalte und Fiktionales einzubinden. 
  2. Transformation der Inhalte auf ein speicherfähiges Trägermedium: Das Speichern von Inhalten scheint kein wirklich zentrales Kriterium zu sein und schließt zudem einen zentralen Medienbereich aus: den der Veranstaltungen, von der Theateraufführung über Oper und Konzerte bis hin zum massively multiplayer online game. Anstatt Speicherung ist es wohl eher die öffentliche Bereitstellung von Inhalten, die Medienunternehmen charakterisieren.
  3. Distribution der Inhalte an Rezipienten: Statt auf Distribution (oder im Marketing-Jargon: placement) würde ich vorschlagen eher auf das Produkt abzustellen. Nicht jeder, der Inhalte erstellt, ist ein Medienunternehmen, sondern nur die Unternehmen, die Inhalte als ihr Produkt vermarkten und damit durch Inhalte ihr Geld verdienen.
Danach könnte man Medienunternehmen von anderen Unternehmen schlicht so abgrenzen: Medienunternehmen sind Unternehmen, die Inhalte als Produkt erstellen und öffentlich zugänglich machen, um damit Gewinn zu machen.

Dies klingt weitgefasst, ist es letztlich aber nicht, denn nach wie vor würde man viele Unternehmen außen vor lassen, die man mit guten Argumenten ebenfalls als Medienunternehmen bezeichnen könnte. Nach dieser Definition wären z.B. keine Medienunternehmen:

  •  Kabelnetzbetreiber wie KDG/Vodafone 
  • Satellitenbetreiber wie SES Astra
  • Suchmaschinen wie Google 
  • Gerätehersteller wie Samsung 
  • Plattformbetreiber wie Apple iTunes und YouTube
  • Custom Media / Corporate Publishing 
  • Open Source Angebote wie Wikipedia
  • Agenturen (Werbung, PR), Künstler (Autoren, Musiker) und Journalisten
Dies aufgreifend lassen sich abschließend folgende Definitionen ableiten:

Medienunternehmen sind Organisationen, die Inhalte veröffentlichen, um Gewinn zu machen.

Medienökonomie untersucht, wie für Angebot und Nachfrage nach Inhalten knappe Ressourcen von Produzenten und Nutzern eingesetzt werden. Makroökonomisch geht es um die Beschreibung von Medienmärkten in ihrer Gesamtheit, mikroökonomisch um das Verhalten einzelner Medienunternehmen im Hinblick auf Wettbewerb und Kunden.

Medienwirtschaft untersucht, welche Entscheidungen Unternehmen treffen, um mit Herstellung und Vertrieb von Inhalten Gewinn zu machen. Medienwirtschaft ist demnach eine spezielle Betriebswirtschaftslehre und erweitert die allgemeine Betriebswirtschaftslehre (eigentlich besser: business administration oder Unternehmensleitung) um spezielle Fragen, die sich für Medienunternehmen stellen.

Medienmanagement untersucht, wie Organisationen Medien einsetzen, um ihre Ziele zu erreichen und reiht sich damit ein in andere generelle Leitungsaufgaben wie Projektmanagement, Qualitätsmanagement oder Innovationsmanagement.


Thomas Becker ist Professor für Medienmanagement und Leiter der Studiengänge Communication and Media Management und Journalism and Business Communication am Berliner Campus der Hochschule BiTS, Teil der Laureate International Universities.


[1] Oder wie es Rolf Pfeifer jüngst im Hinblick auf künstliche Intelligenz formulierte: Logische Regeln „sind ein extrem schlechtes Modell, um menschliche Intelligenz zu verstehen. Dafür bedarf es mehr als Mathematik“ (Pfeifer, Rolf 2013: Wir sind alle Cyborgs, Interview mit Rolf Pfeifer in WirtschaftsWoche Nr. 52, S. 100-103).
[2] Vgl. dazu Luhmann, Niklas (1988): Die Wirtschaft der Gesellschaft, Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 177ff.
[3] Vgl. Wirtz, Bernd W. (2012): Medien- und Internetmanagement (8. Aufl.), Wiesbaden: Springer-Gabler, S. 17

Mittwoch, 8. Januar 2014

Vier Phasen disruptiver Innovationen

Disruption, die Unterbrechung eines Marktablaufs durch Einführung einer neuen Produkt- oder Nutzenkategorie, ist das Kernthema technologischer Entwicklung. Ergänzend zu Rogers' bekanntem Modell der Diffusion von Innovationen, stellt Sinofsky in einem Beitrag für re/code vier Phasen disruptiver Innovationen vor, die eher auf die Innensicht der beteiligten Industrien abzielen.

Vier Phasen disruptiver Innovationen, Quelle: re/code

Phase Eins (Disruption) ist die Einführung der disruptiven Technologie in etablierten Märkten. Die Reaktion der etablierten Marktteilnehmer in diese Phase, da die Innovation meist noch den bestehenden Produkten unterlegen ist, ist Ignoranz oder Verleugnung.

Phase Zwei (Evolution) ist aus dem Blickwinkel der etablierten Märkte entscheidend: die Innovatoren beginnen, die Innovation weiter zu entwickeln. Sie folgen einer Vision und sie erfüllen die Wünsche der frühen Nutzer (early adopters). Das sieht für die etablierten Unternehmen aus, als würden die Innovatoren völlig "am Markt" vorbeientwickeln. Man nimmt sie nicht ernst und misst ihren Erfolg an den Maßstäben der Vergangenheit.

Handlungen von Etablierten Marktteilnehmern und Innovatoren, Quelle: re/code

In Phase Drei (Konvergenz) schließlich erfolgt die Neudefinition der Nutzenkategorien in einem Markt. Auf einmal sind die neuen Spieler die Guten und die alten Spieler die Schlechten. Die Innovatoren sind etabliert und beginnen nun, die konservativen Nutzer der alten Technologie zu überzeugen. Dafür kombinieren sie die neuen Technologien mit alten Elementen und führen so zu einer Konvergenz der Märkte.

Phase Vier (Reimagination) schließlich definiert den Markt von Grund auf neu. Man erkennt grundlegende Prinzipien und führt diese zu einer neuen Marktsicht zusammen. So wie digitale Fotografie zunächst die analoge Fotografie ersetzt hat, so führt die neue Marktsicht dazu, dass eigenständige Kamerads als solche nicht mehr massenmarktfähig sind und die Technologie in Mobiltelefone wandert. Der Markt für Schnappschussfotografie bzw. Amateurfotografie hat sich nicht nur von analoger auf digitale Technologie gewandelt, sondern auch von stand-alone Geräte zu integrierter Funktion.

Quelle: Sinofsky, Steven (2014): The Fourt Stages of Disruption, http://recode.net/2014/01/06/the-four-stages-of-disruption-2/

Montag, 6. Januar 2014

Wanderatlas Deutschland informiert (Januar 2014)

Hallo liebe Wanderfreunde,

Unterwegs im Gladenbacher Bergland
wir hoffen, ihr seid gut ins neue Jahre gekommen. Wir wünschen allen ein gesundes und schönes Jahr 2014 und hoffen, dass Ihr weiterhin mit dem GPS Wanderatlas zufrieden seid. Damit das so bleibt, bereiten wir für dieses Jahr eine neue Version vor und hoffen, diese bis Sommer freischalten zu können.

Dankbar blicken wir auf das vergangene Jahr zurück. Was die Nutzung des GPS Wanderatlas angeht, haben wir unsere Ziele übertroffen. 720.000 verschiedene Wanderer haben im Lauf des Jahres des GPS Wanderatlas genutzt und haben dabei über 12 Millionen Seiten abgerufen. Das ist eine Zahl, die uns mit Stolz erfüllt. Für die Region Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz sind wir damit sicherlich eine der wichtigsten Anlaufstellen für Wanderer, Kurzurlauber und Tagesgäste.

Wie es gute Übung ist, dürfen wir euch auch zum Jahresbeginn wieder drei schöne Touren empfehlen:

Als GPS Wanderweg des Monats stellen wir derzeit den Kölnpfad vor, eine große Rundwanderung um das Stadtgebiet von Köln, bei dem man erstaunt ist, wieviel Natur sich zwischen Großstadtbebauung, Autobahn, Flughafen und Eisenbahn halten kann.

Wir wünschen euch viel Spaß mit den Wandertipps aus der Wanderatlas-Redaktion und hoffen, ihr genießt den goldenen Herbst zwischen Main und Ruhr.

Liebe Grüße und eine schöne Wanderzeit wünscht euch das Team vom GPS Wanderatlas Deutschland.

PS: Wie immer zum Schluss der Hinweis: Wir freuen uns auf neue Follower bei Twitter und Freunde bei Facebook. Und möchten natürlich daran erinnern, dass ihr alle herzlich eingeladen seid, selbst Wanderungen im GPS Wanderatlas zu veröffentlichen.

Kölnpfad ist GPS-Wanderweg des Monats

Die Redaktion des GPS Wanderatlas stellt im Januar 2014 den Kölnpfad als GPS Wanderweg des Monats in acht Tagesetappen vor. Dazu wurde nachstehende Presseinformation veröffentlicht:



Kölnpfad ist GPS Wanderweg des Monats

Einmöl um Kölle röm: Kölnpfad ist GPS Wanderweg des Monats
Wanderatlas stellt Kölnpfad in acht Tagesetappen vor

(Beselich, 6. Januar 2014). Wer Köln auch außerhalb der Altstadt intensiv erleben möchte, der kann sich auf Schusters Rappen machen und auf dem Kölnpfad erleben, was es neben Dom, Kölsch und Rheinpromenade noch so zu entdecken gibt. Der GPS Wanderatlas stellt die große Stadtwanderung um Köln im Januar auf www.ich-geh-wandern.de als GPS Wanderweg des Monats vor und liefert die aktuellen Wegdaten fürs Navi oder Smartphone.

Wie bei allen Rundwanderwegen lässt sich der Kölnpfad natürlich völlig individuell erobern. Man kann z.B. an der Mülheimer Brücke starten und von dort zunächst die Schäl Sick erkunden. So kommt man etwa durch den Stammheimer Schlosspark, das Naturschutzgebiet am Hornspottweg und zur Diepeschrather Mühle, bevor man an der Katharinenkammer auf das einzige Kalk-Niedermoor der Bergischen Heideterrassen trifft.

Über den Thielenbruch geht es kurz ins Stadtgebiet von Bergisch Gladbach, um den Schlössern Lerbach und Bensberg die Ehre zu erweisen, bevor man durch die Schluchter Heide zum Saaler Mühlenteich kommt. Dann steht der Königsforst auf dem Wanderplan Kölns grüne Lunge.

Weiter geht es über die Wahner Heide zur Zündorfer Groov, bevor man die Schäl Sick verlässt und Rodenkirchen erreicht. Von Rodenkirchen wandert man in den äußeren Grüngürtel und passiert den Forstbotanischen Garten Köln, den Klettenbergpark, den Decksteiner Weiher und schließlich den Stadtwald Köln.

Schließlich geht es durch den Sportpark Müngersdorf zum Escher See und zum Worringer Bruch, bevor man über Niehl wieder zurück zur Mülheimer Brücke kommt.

Die vollständige Wegführung des Kölnpfads (158km) wird auf der kostenfreien Wanderatlas-Karte im Internet vorgestellt und kann gedruckt oder als GPS-Daten (GPX-Datei) heruntergeladen werden.

Der GPS Wanderatlas Deutschland ist ein redaktionelles Angebot, das sich speziell an den Bedürfnissen von Wanderern, Tagesgästen und Ausflugstouristen orientiert. Wer kurzfristig etwas in der Region unternehmen möchte, findet im GPS Wanderatlas Deutschland eine sehr fein gegliederte und praktische Planungshilfe.

Der GPS Wanderatlas Deutschland ist ein Produkt der Wanderatlas Verlag GmbH mit Sitz in Beselich bei Limburg. Das Unternehmen wurde im April 2010 gegründet, um Tagestouristen und Wanderern überregional und unabhängig mit Informationen zu Touren, Ausflugszielen und Sehenswürdigkeiten zu unterstützen. Aktuell gibt es den GPS Wanderatlas für die Wandergebiete Bergisches Land, Sauerland, Taunus, Westerwald und Oberhessen.

Freitag, 3. Januar 2014

Sechs Dimensionen der Marken-Teilhabe

Brand Share, ein Instrument der PR-Agentur Edelman
(Quelle: edelman.com)
Die US-amerikanische PR Agentur Edelman hat das Instrument brandshare entwickelt, das die Beziehung eines Unternehmens zu seinem Kunden über sechs Dimensionen der Teilhabe (six dimensions of sharing) bewertet. Die Grundaussage: "The more dimensions of sharing a brand practices, the greater the business value".

Das sind die sechs Dimensionen der Marken-Teilhabe:

Shared Dialog: Darunter ist zu verstehen, dass eine Marke ihre Nutzer offen zum Dialog einladen sollte. Oft werden Kontaktmöglichkeiten - nicht zuletzt aus Kostengründen - versteckt kommuniziert und aus den Kernprozessen ausgelagert. So entsteht kein Dialog (symmetrisch), sondern ein zweiseitiger Monolog.

Shared Experience: Wenn das Markenerlebnis mit der Nutzung des Produkts endet, wird sich keine weitere Bindung ergeben. Markenprodukte müssen Anschlussmöglichkeiten für Kommunikation und Erfahrung jenseits der Produktverwendung geben.

Shared Goals: Wenn Kunde und Marke die gleichen Ziele verfolgen, entsteht eine tiefe Bindung. Doch um die gleichen Ziele zu verfolgen, muss die Marke wissen, was jeder einzelne Kunde wirklich will - dies gilt speziell bei Dienstleistungsprodukten wie sie Banken und Versicherungen oder Service Provider anbieten.

Shared Values: Wenn die Marke die Wertvorstellungen ihrer Kunden ernst nimmt, steigt die Wertschätzung durch die Kunden. Wenn Kunde nicht möchten, dass 7jährige Mädchen in 16-Stunden-Schichte ihre Schuhe nähen, dann sollte ein Markenanbieter dies nicht tun.

Shared Product: Fast nichts bindet intensiver an eine Marke, als wenn der Kunde sie in Teilbereichen mitentwickelt oder sich persönlich in das Produkt einbringen kann (man erinnere sich an das Phänomen der Klingeltöne auf Mobiltelefonen zur Jahrtausendwende). Was McDonalds in Deutschland mit den von seinen Kunden gestalteten Burgern macht, bindet nicht nur die wenigen Gewinnervorschläge, sondern auch viele Tausend andere begeisterte "Burger-Erfinder".

Shared History: Wenn eine Marke wirklich zum Leben des Kunden gehört (wie dies früher häufig bei Tabakmarken der Fall war), dann ist der höchste Grad an Übereinstimmung zwischen Marke und Kunde erreicht. Dies führt zu echtem "Product Evangelism": Man ist überzeugt von seinem Produkt (z.B. einer besonderen Kameramarke, die einen schon seit zwanzig Jahren begleitet) und wenn man von seinem Produkt spricht tut man es mit ehrlicher Begeisterung.

Wie immer bei solchen Werkzeugen aus der Agenturbranche: Die Sechs Dimensionen der Marken-Teilhabe sind nicht wirklich neu oder überraschend, aber man sieht schnell und übersichtlich, wie weit der Weg für viele Unternehmen noch ist, aus ihren Kunden überzeugte Nutzer und Verfechter der Marke zu machen. Viele Unternehmen haben für sich heute noch nicht die erste Dimension überzeugend gelöst. Man sieht, wie viel Potenzial zu erschließen ist.