Freitag, 20. Juni 2014

Die Tageszeitung ist tot. Es lebe der Journalismus.

Dass Tageszeitungen in einer Krise stecken, ist keine Neuigkeit. Aber Krisen, so die Hoffnung, gehen wieder vorbei und bieten ja immer auch Chancen. Also Augen zu und durch. Schließlich wurden auch schon das Kino, das Radio oder das Buch tot gesagt und erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Dennoch stellt sich für Studierenden in den Fächern Medienmanagement und Journalismus tatsächlich die Frage, ob eine Karriere in einer Tageszeitung eine Karriereoption darstellt. 

Erstausgabe der Neuen Zürcher Zeitung von 1780:
Die Tageszeitung ist ein altes Medium ohne Zukunft
In verschiedenen Diskussionsrunden innerhalb und außerhalb des Curriculums habe ich diese Frage mit Studierenden besprochen. Daraus ergab sich eine vierteilige Argumentation, die ich in diesem kurzem Beitrag zusammengefasst habe.

Strukturell ist die Situation für Tageszeitungen aus verschiedenen Gründen nicht mit anderen „alten Medien“ wie Büchern, Radio und Kino zu vergleichen. Man kann m.E. mit guten Argumenten begründen, dass es die Tageszeitung – also ein gedrucktes Medium mit tagesaktuellen Nachrichten – in einigen Jahren nicht mehr geben wird.

 1. Nachrichten sind öffentlich

Schauen wir uns zunächst den Inhalt einer Tageszeitung an. Er unterscheidet sich wesentlich von den Inhalten, die wir in anderen Mediengattungen kennen: Bücher, Filme, Videospiele und selbst Events wie Sportveranstaltungen oder Musikkonzerte sind Artefakte, also von Menschen gemachte Produkte mit spezifischen Eigenschaften, die das Artefakt vom „natürlichen Lauf der Dinge“ abheben. 

Nachrichten dagegen sind Ereignisse. Jedes Ereignis kann zu einer Nachricht werden, wenn das Ereignis öffentlich thematisiert wird. Nachrichten sind im Unterschied zu Artefakten nicht darauf angelegt, selbst als Produkt wahrgenommen zu werden und dadurch einen eigenen Wert zu entwickeln. Dies führt dazu, dass eine Nachricht – wenn überhaupt – nur temporär exklusiv sein kann. Sobald ein Ereignis als Nachricht behandelt wird, ist die Information über dieses Ereignis quasi ein öffentliches Gut.

In diesem Kontext darf es einen nicht wundern, dass es selbst Europas führende Tageszeitung – die BILD – nicht schafft, die Nutzer der digitalen Angebote mit „exklusiven“ Nachrichten an ein kostenpflichtiges Premiumprodukt zu binden, sondern für die Vermarktung der BILD-Plus Angebote eigens für einen nicht näher bezifferten Betrag Übertragungsrechte an der Bundesliga einkaufen musste. Artefakte sind ökonomisch attraktiv, weil ihr Zugang limitiert ist. Nachrichten sind ökonomisch unattraktiv, weil sie per definitionem öffentlich sind. 

2. What business are we really in?

Wenn die Nachrichten selbst nicht das Produkt sind, stellt sich die Frage: Was verkauft eine Tageszeitung eigentlich? Schauen wir uns die Wertschöpfungskette einer Tageszeitung an, können wir grob vier Bereiche unterscheiden, die ein Verlag bearbeiten muss, um eine Tageszeitung zu produzieren: Man braucht die Inhalte (die in der Regel von außen durch Agenturen, PR-Mitteilungen bzw. Einladungen zu Presseterminen etc. angeliefert werden und dann durch einen Autor – news gatherer – in Form gebracht werden). Man muss die Inhalte arrangieren also festlegen, welche Inhalte in welcher Form und mit welcher Priorität veröffentlicht werden (was der Redakteur als news processor übernimmt). Man muss das entsprechend arrangierte „Masterprodukt“ vervielfältigen. Und man muss die vervielfältigten Exemplare verteilen.

Die generische Wertschöpfungskette von Medienunternehmen im Nachrichtengeschäft
Druck und Verbreitung der Tageszeitung sind sicherlich Aktivitäten, die tatsächlich Zahlungsbereitschaft bei Lesern erzeugen. Wenn man gewöhnt ist, zum Frühstück Zeitung zu lesen, will man eine Zeitung haben, unabhängig von ihrem konkreten Inhalt. Wenn man gewöhnt ist, im Zug eine Zeitung zu lesen, will man eine Zeitung haben – egal was drin steht. Ist das Zeitunglesen derart habitualisiert, ist der Akt des Zeitungslesens wichtig und nicht eine wie auch immer geartete inhaltliche Dimension (gerne auch zur redaktionellen Kompetenz und verlegerischen Leitlinie des Anbieters euphemisiert). Aus dieser Perspektive kann man einfach nachvollziehen, warum Kostensenkung und Gewinnabschöpfung naheliegende Strategieoptionen für Verlagshäuser sind.

Doch alle Beteiligten müssen sich bewusst sein, dass Habitualisierung nur so lange als Verkaufsargument trägt, wie es genügend Menschen gibt, die dieses Verhalten teilen. So wie im Fernsehen die Strukturierung des Tages durch den Programmablauf mehr und mehr wegfällt, weil Zuschauer Inhalte nach Bedarf, so ändern sich auch die Rituale beim Frühstück, wie man in Hotels beobachten kann. Frühstücksfernsehen und noch mehr mobile Computer – Smartphone, Phablet oder Tablet – lösen hier die Tageszeitung ab. Ähnliches kennen wir von gedruckten Telefonbüchern, deren Relevanz sich zügig gegen Null nähert. Massive Nutzung von nicht gelisteten Mobilfunknummern, das Adressbuch im Telefon und die Internetrecherche haben die Habitualisierung des Blicks in die Gelben Seiten überflüssig gemacht, daran ändern auch die nach wie vor hohen Druckauflagen der Verzeichnismedien nichts.

Meine These: Derzeit trägt die Habitualisierung die noch möglichen Auflagenzahlen, weil es genügend Menschen gibt, die gerne blättern, die sich hinter der Zeitung verstecken oder für die das Zeitunglesen ein lieb gewordenes Ritual ist. Dass jemand sich bewusst aus inhaltlichen Gründen für eine Tageszeitung entscheidet, weil er hier Informationen vom Vortag bekommt, erscheint dagegen wenig plausibel.

Wie also kann eine Tageszeitung heute die Gretchenfrage im Marketing beantworten, nämlich das von Theodore Levitt in seinem wegweisenden Artikel „Marketing Myopia“ aufgeworfene Problem zu bestimmen, in welchem Geschäft man eigentlich unterwegs ist: Die Kunden zahlen heute für eine Tageszeitung, weil sie es gewohnt sind, eine Tageszeitung in den Händen zu halten. Dies ist ein sehr starker Nutzen für die Menschen, die das Lesen einer Tageszeitung fest in ihren Tagesablauf integriert haben. Dies ist ein sehr schwacher Nutzen, um neue Kunden zu gewinnen.

Was passieren kann, wenn der Datenträger bzw. die technologische Infrastruktur, um Inhalte zu transportieren, das einzige Nutzenargument ist, sieht man gut an historischen Beispielen: Von der Nutzung von Steintafeln als Textmedium, der Musikkassette als Audiomedium oder dem VHS-Band als Videomedium.
 

3. Der Umgang mit Komplexität: Kanonisierung vs Selbstorganisation

Schauen wir nun auf den vierten Block der Wertschöpfungskette, das Arrangement verschiedener Nachrichten zu einem Produkt. Die dargelegte Ausgangsüberlegung noch einmal zusammengefasst: Eine Nachricht ist ein öffentlich behandeltes Ereignis und hat als solches keinen eigenen Wert, sondern erhält diesen Wert nur in der öffentlichen Behandlung – also in der Nutzung der Nachricht als Thema für Anschlusskommunikation z.B. in einem Gespräch oder in einer Replik. Dann entsteht der Wert für den Kunden beim Erwerb einer Tageszeitung im Kern ausschließlich durch die Auswahl, Bewertung (Priorisierung) und Präsentation der Nachrichten. Die Redaktion wählt für den Leser aus, was heute (bzw. eigentlich gestern!) relevant war und gewichtet diese Themen untereinander.

Diese Aufgabe hat durchaus eine Berechtigung, dient sie doch als Filter und lenkt den Blick auf das Wesentliche. Allerdings scheint diese Filterfunktion signifikant an Bedeutung zu verlieren, weil sich die Bedeutung „des Wesentlichen“ ändert. Wesentlich ist für uns das, über das wir mit anderen sprechen können und wollen. Hier spielt sich der entscheidende Wechsel ab und zwar in der Spannung zwischen Inhalt und Infrastruktur.

Infrastruktur und Inhaltsproduktion liegen
bei der Tageszeitung in einer Hand:
(Bild by Daniel R. Blume from Orange County, California, USA
(A stack of newspapers) [CC-BY-SA-2.0
(http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)],
via Wikimedia Commons

Im 20. Jahrhundert waren Infrastruktur (als z.B. die Nutzung einer Rundfunkfrequenz oder der Betrieb einer Druckerpresse) und Inhalt (die Themen) in einer Hand. Wer Zugriff auf die (limitierte) Infrastruktur hatte, kontrollierte zugleich die Themen, die über die Infrastruktur verbreitet wurden. In der Netzwerkökonomie des 21. Jahrhunderts trennen sich Infrastruktur und Inhalte immer weiter auf. Ereignisse können im Prinzip von jedermann öffentlich zu Nachrichten gemacht werden und finden Eingang in dieselbe leistungsfähige Infrastruktur, wie sie die Nachrichten der professionellen Nachrichtenunternehmen nutzen.

Das führt neben vielen anderen, vielfach beschriebenen Phänomenen auch dazu, dass sich der Umgang mit Komplexität ändert. Eigentlich müsste man unterstellen, dass der Bedarf für Filtersysteme mit der Steigerung des Angebots an Inhalten steigt. Aber das genaue Gegenteil ist der Fall: Je mehr Angebot es gibt, desto schwächer werden die Filtersystem und umso weniger werden sie genutzt.

Als es nur drei Fernsehprogramme gab, wurden Fernsehzeitschriften – die Auflistung des täglichen Programms – groß. Je mehr Programme, desto unübersichtlicher das Listing. Heute empfangen die meisten Haushalte ihr Programm digital und erhalten dabei Zugriff auf eine dreistellige Anzahl von Sendern, plus weiterer VOD-Angebote, Pay-TV etc. Die Folge: TV-Zeitschriften sind wenig hilfreich und immer mehr Zuschauer verlassen sich auf zwei simple Alternative: Zapping und einen On-Screen-EPG, der Informationen zu „now playing“ und „next“ vorhält (entweder im TV oder als Second Screen auf dem Smartphone oder Tablet).

Ein anderes Beispiel: Bei der ersten Verbreitungsphase des World Wide Web in den 1990er Jahren wurden zur Orientierung über das wachsende Angebot Katalogsysteme wie Yahoo groß. Das Web in Rubriken einzuteilen, galt als der große Wurf, Suchmaschinen wie Altavista dagegen spielten sich eher in der Tekkie-Nische ab. Doch je größer das Angebot, umso weniger leistungsfähig die Kataloge. Das war der Start für eine neue Methode, das Web zu nutzen: Man begann zu googlen.

Zapping, Now-Playing Informationen und Googling unterscheiden sich offensichtlich voneinander, sind vom Muster her aber sehr ähnlich: Je mehr Angebot, desto weniger Struktur ist nötig, weil man davon ausgeht, dass die wirklich wichtigen Nachrichten einen ohnehin erreichen. Wie kommt man zu dieser Unterstellung: Weil die Nachrichten Themen der Kommunikation unter Kollegen, in der Familie, zwischen Freunden, im Small Talk mit Zufallsbekanntschaften etc. sind. Je größer das Angebot an Nachrichten, desto unwichtiger ist es, einen festen, quasi amtlichen Kanon an Nachrichten des Tages zu haben.

Dies öffnet direkt die nächste Perspektive: Wie bewertet der Einzelne den Stellenwert einer Nachricht? Durch den Grad der persönlichen Betroffenheit. Dieser unterscheidet sich zwischen den Menschen sehr stark. Wenn es einen Trauerfall in der eigenen Familie gibt, ist man selbst sehr betroffen, die meisten anderen Einwohner Deutschlands aber nicht. Wenn das Unternehmen, für das man arbeitet, insolvent wird, ist man sehr betroffen, die meisten anderen aber nicht. Wenn im Ort, in dem man wohnt, eine schwere Infektionskrankheit umgeht, ist man sehr betroffen, der Rest der Menschheit weniger.

Wie können wir persönliche Betroffenheit messbar oder zumindest transparent machen? Eine Möglichkeit ist es, die Themen zu analysieren, über die Menschen sprechen und das kann man sehr gut in sozialen Netzwerken verfolgen. Es sind ungleich mehr Menschen persönlich vom Schicksal einer kleinen Katze in einem engen Glasbehälter betroffen, als von Entscheidungen des Europarats, die Milliarden kosten und mit einem Federstrich die Weichen für die nächste Generation stellen. Persönliche Betroffenheit äußert sich in der Intensität, mit der man über Nachrichtenthemen mit anderen Menschen kommuniziert.
Wir haben es also mit zwei Phänomenen zu tun, die das über rund hundert Jahre verbreitete Modell der Nachrichtenkanonisierung aushebelt:
  • Der geänderte Umgang mit einer gestiegenen Angebotslage: Man lässt sich Informationen nicht filtern, sondern setzt sich den Informationsreizen aus und selektiert sekundenschnell, was für einen persönlich jetzt in der Situation interessant ist.
  • Die persönliche Bewertung der Relevanz einer Nachricht wird selbst Bestandteil der Nachricht und dient als Indikation für andere.
Beide Aspekte stehen im kompletten Widerspruch zum Anspruch der Tageszeitung, für ihre Leser die Ereignisse der Welt zu filtern und zu gewichten. Die Tageszeitung verliert aufgrund geänderter Umweltbedingungen das Kernelement ihrer Wertschöpfung. Die Funktion, die Komplexität der Umwelt durch einen Auswahlprozess zu reduzieren, steht im Wiederspruch zu einer zentralen Komponente gesellschaftlicher Entwicklung: dass nämlich Selbstorganisation erfolgreicher im Umgang mit Komplexität ist, als jegliche Organisation von außen.

Dieses Argument steht im engen Kontext zu dem als wisdom of crowds bezeichneten Effekt, dass bei relevanten Entscheidungen über eine unsichere Situation der gemittelte Durchschnitt vieler Einzelurteile zu einem leistungsfähigeren Ergebnis führt als das einzelne Urteil eines Experten. Die Masse ist nicht schlauer als der ausgebildete Redakteur was das einzelne Thema angeht. Die Masse ist aber definitiv schlauer als die geballte Redaktionskompetenz aller Tageszeitungen zusammen was das zentrale Thema angeht, nämlich welche Nachrichten sich eignen, um darüber zu sprechen und dadurch ein beliebiges Ereignis zu einem öffentlich besprochenen Ereignis – einer Nachricht – zu machen. 

4. Das Geschäftsmodell der Tageszeitung

Richten wir schließlich den Blick auf die Erlössituation. Ursprünglich war das Geschäftsmodell der Tageszeitung auf den Verkauf des Produkts ausgelegt. Der Vertrieb der Tageszeitung erlöste das Geld, um Profitwunsch der Verleger und Kosten der Produktion zu decken. Je mehr die Tageszeitung ab dem späten 19. Jahrhundert zu einem Massenprodukt wurde, desto attraktiver wurde es für Unternehmen (und auch Privatleute), in Tageszeitungen zu annoncieren. Neben die Vertriebserlöse (die die Tageszeitung bereits finanzierten) traten quasi als windfall profits die Werbeerlöse. Es begann die goldene Ära der Verlage.

Lange galt in Deutschland für Zeitungsmanager die grobe Rechnung: Ein Drittel der Erlöse kommen aus dem Verkauf, zwei Drittel aus der Werbung. Vom so erzielten Umsatz blieb üblicherweise ein zweistelliger Satz– zwischen 15% und 25% sind branchenüblich – als Gewinn im Verlag.

Die Vertriebserlöse sinken parallel zu den fallenden Auflagen der Tageszeitungen, die sich seit dem Höhepunkt 1989 (BRD und DDR zusammen) von 27,3 Millionen Tagesauflage um fast 40% reduziert haben. Schlimmer aber wiegt, dass die Werbeerlöse massiv wegbrechen und sich mittlerweile vielfach von der früheren 2:1-Relation auf ein Fifty-Fifty eingependelt haben und das dürfte mitnichten das Ende der Fahnenstange sein, denn immer noch – so meine These – sind gedruckte Werbeträger deutlich überteuert.

Dazu eine ganz einfache, praktische Rechnung: Schauen wir uns die tägliche Nutzungszeit von Zeitungen an, liegen wir 2013 bei einem durchschnittlichen Wert von 23 Minuten. Elektronische Medien werde deutlich mehr genutzt: Fernsehen gute vier Stunden, Radio 191 Minuten und das Internet 108 Minuten. In anderen Worten: Zeitungen haben einen Anteil am Zeitbudget der Mediennutzung von rund 4%.

Auf der Erlösseite ist dieses Bild auf den Kopf gestellt. Tageszeitungen (inkl. Anzeigenblätter, Wochenzeitungen und Supplements) haben 2013 in Deutschland laut ZAW Nettowerbeeinnahmen von 5,116 Milliarden Euro erlöst und liegen damit nach wie vor an der Spitze der Werbeträger. Sie erzielen über 38% am gesamten Werbekuchen. Und selbst wenn man wirklich nur die ausgewiesenen Tageszeitungen (also ohne Wochenzeitungen und Anzeigenblätter) nimmt, liegt der Umsatzanteil im Werbemarkt in den klassischen Werbeträgern bei 26,45%.

Dieses Verhältnis – 4% der Aufmerksamkeit und weit über 25% der Erlöse – lässt sich faktisch nur mit der Exklusivität der Tageszeitung in der Region erklären. Und der löst sich im Internet durch lokale Suchen und location based services auf. Dass die Tageszeitung heute noch lebt, verdankt sie alleine der Latenz ihrer regionalen Kunden und – bei den wenigen überregionalen Titeln – dem obsoleten Argument, man würde die Tageszeitung deutlich intensiver nutzen als andere Werbeträger und daher hier eine höhere Wirkung erzielen.

Das Umsatz-Zeit-Verhältnis (UZV) gibt an, wie teuer ein Werbeträge ist. Tageszeitungen sind rund zehn Mal teurer,
als der Wert der Aufmerksamkeitsleistung die sie für die Werbekunden erbringen.
Das Umsatz-Zeit-Verhältnis (realisierter Umsatz in Relation zur erreichten Aufmerksamkeit) liegt bei der Tageszeitung bei knapp 10, bei Zeitschriften sogar noch höher. Der Markt bewertet die Zeitung als Werbeträger also zehn Mal so hoch als das Fernsehen oder das Internet. Rational gesehen müsste eine Zeitungsanzeige also einen zehn Mal höheren Ergebnisbeitrag liefern als eine Internetanzeige, wenn identische Budgets eingesetzt werden. Das tut sie natürlich nicht (man könnte mit guten Argumenten sogar erläutern, warum eine Zeitungsanzeige immer schlechtere Ergebnisse liefern müsste als eine Suchmaschinenkampagne oder der Eintrag in spezialisierten Verticals).

Man kann ohne großen Pessimismus erwarten, dass sich die Werbeerlöse der Tageszeitungen in den nächsten Jahren weiter drastisch reduzieren werden. Dies führt mit planbarer Konsequenz zu Kostensenkungen, die im Wesentlichen auf Seiten der Redaktionen erbracht werden müssen, weil Produktion und Distribution auf Stückkostenbasis bei sinkenden Auflagen eher steigen werden. Das führt zu einer reduzierten Qualität des Produkts, was wiederum den Rückgang der Auflagen beschleunigt. Ein klassisches Beispiel für einen vicious circle: einen positiven Feedback-Prozess mit negativen Folgen.

Alle vier Bereiche – die Natur der Nachricht als öffentliches Gut, die Nutzungsmotivation der Kunden auf Basis von Habitualisierung, der Umgang mit gestiegener Komplexität und der dadurch entstehende Bedarf neuer Organisationsformen und das Erlösmodell der Tageszeitung – legen nahe, dass die Tageszeitung tatsächlich vom Markt verschwinden wird – so wie die Musikkassette, die Fotografie auf Filmrolle, das VHS-Videoband oder die Wochenschau im Kino. Tageszeitungen sind anders als Bücher und selbst Zeitschriften, die sich über Autorenschaft (Artefakte) abgrenzen. Tageszeitungen sind Träger aktueller Nachrichten. Tageszeitungen sind heute aber nicht mehr aktuell und sie sind hinsichtlich der Menge von Nachrichten limitiert. Bücher, auch Zeitschriften, wird es wohl wie Vinyl-Schallplatten und Brettspiele auch in vielen Jahren noch geben. Tageszeitungen sicherlich nicht mehr.

5. The Dawn of a New Era of Journaslism

Damit – ein letzter Satz – ist natürlich nicht gemeint, dass es keinen Bedarf mehr an aktuellen Nachrichten und damit an Journalismus gäbe. Dieser Bedarf dürfte aus oben genannten Gründen sogar deutlich steigen. Doch der Journalismus muss sich hinsichtlich seiner ökonomischen Bedingungen neu erfinden. Und so wie sich die Verlage bisher im Web 1.0 (Verlust der lukrativen Rubrikenmärkte) und Web 2.0 (Verlust der lokalen Alleinstellung durch aktive Einbindung der Leser und Personalisierung) verhalten haben, liegt es nahe, dass diese Schumpetersche Zerstörung der Tageszeitung nicht durch die Tageszeitungsverlage vorangetrieben wird. Wir werden uns in den nächsten Jahren sicherlich von vielen großen Namen der Verlagsbranche verabschieden können.

Wer werden die Gewinner dieser Entwicklung sein? Wie lassen sich neue journalistische Geschäftsmodelle entwickeln? Wie kann man mit Nachrichten auch in Zukunft Geld verdienen? Das sind Fragen, die man – da sie sich auf die Zukunft beziehen – nicht mit Sicherheit oder zumindest einiger Prognosevalidität beantworten kann. Eines jedoch ist klar: Die ökonomischen Herausforderungen lassen sich durch verschärfte Regulierung – Stichtwort: Leistungsschutzrecht für Presseverleger – definitiv weder lösen noch heraus zögern, sondern beschleunigen eher die Abwärtsspirale.

Das Ende der Tageszeitung ist bedauerlich für die Jobs, die dadurch verloren gehen. Das Ende der Tageszeitung ist aber nicht das Ende des Journalismus und schon gar nicht der Untergang des Abendlandes, wie es eifrige Verleger im Berliner und Brüsseler Lobbybetrieb gerne darstellen. Das Ende der Tageszeitung wird wahrscheinlich eher der Beginn einer neuen Ära des Journalismus markieren, der sich besser – in allen Dimensionen dieses Wortes verstanden– auf die Erfordernisse der Zeit einstellt. Die Tageszeitung ist tot, es lebe der Journalismus.

Samstag, 14. Juni 2014

Apple und Google die wertvollsten Marken der Welt

Google überholt 2013 Coca Cola im Ranking der
 wertvollsten Marken der Welt. Nur Apple
ist noch ein bisschen mehr wert (Quelle: Interbrand)
Dieser Tage veröffentliche die international arbeitende Marken-Agentur Interbrand die hochgerechneten Werte globaler Marken für das Jahr 2013. Ganz vorne: Apple und Google, deren Marken kurz davor sind, die 100 Milliarder-Dollar-Marke zu nehmen. In der Top 10 finden sich 8 US-Firmen und zwei Firmen aus Asien: Samsung auf PLatz 8 und und Toyota auf Platz 10. Neun deutsche Unternehmen schafften den Einzug in die Hot 100. Neben den Automobilmarken Mercedes-Benz, BMW, Volkswagen, Audi und Porsche sind das die Allianz, Siemens, Adidas und SAP. 

Bei den Automobilfirmen interessant: Mercedes und BMW liegen klar vorne, das deutlich größere Unternehmen VW dagegen weit abgeschlagen. Und vergleich man den VW-Markenwert von 11 Milliarden USD mit dem Markenwert von Toyota (35 Milliarden) hat man eine Erklärung, warum es den Wolfsburgern Jahr um Jahr nicht gelingt, die Nummer 1 im Automarkt zu werden.

Die über Jahrzehnte teuerste Marke der Welt - Coca Cola - liegt 2013 nur noch auf Platz. Die beiden Technologiegrößen Apple und Google sind vorbeigezogen. Der kontinuierliche Aufstieg von Google dürfte dabei wohl 2013 noch nicht gestoppt sein und tendenziell das Potenzial haben, in den nächsten Jahren klar den ersten Platz zu belegen.

Wanderatlas Deutschland informiert (Juni 2014)

Wandertipps für den Juni im Bergischen Land,
dem Westerwald und der Eifel von der Redaktion
des GPS Wanderatlas Deutschland
Hallo liebe Wanderfreunde,

in Brasilien rollt der Ball. Wir sind gespannt, wie sich die besten Fußballer der Welt präsentieren und hoffen natürlich auf ein tolles Abschneiden der deutschen Elf. Da die Spiele abends laufen, kann man vor dem angespannten Bier- und Chipskonsum eine aktivierende Wanderung machen. Dafür empfehlen wir heute drei spannende Touren im Bergischen Land, der Eifel und dem Westerwald:




Als GPS Wanderweg des Monats stellen wir im Juni den Alemannenweg vor. Dieser Rundwanderweg über gut 130km verläuft von Michelstadt durch den nördlichen Odenwald und verbindet außerordentlich gelungen Natureindrücke und kulturelle Höhepunkte.

Ein Aufruf in eigener Sache: Wir planen ein redaktionelles Special zum Thema "Winterwandern in NRW". Es werden Wanderwege gesucht, die auch - oder sogar speziell - im Winter besonders zu empfehlen sind, sei es, weil sie extra präpariert werden (z.B. mit einer Schneefräse freigehalten) oder weil man hier im Winter besonders schöne Eindrücke bekommt (z.B. besonders beeindruckende Ausblicke). Ihr seid die Experten vor Ort: Wenn ihr Ideen habt für besonders geeignete Winterwanderwege in NRW schickt uns doch bitte eure Vorschläge per Email an info @ wanderatlas-verlag.de mit dem Betreff "Winterwandern NRW".

Es ist nicht neu, doch wir weisen immer wieder gerne darauf hin: Ihr alle seid eingeladen, selbst Wandertouren im GPS Wanderatlas zu veröffentlichen. Dazu braucht ihr nur drei Dinge:
  • eine GPX-Datei (mit den GPS-Daten der Tour)
  • etwas Text (damit andere Wanderer wissen, was sie erwartet)
  • und nach Möglichkeit ein paar Bilder (damit man sehen kann, wie's vor Ort aussieht)
Wer immer aktuell bleiben möchte, folgt uns einfach auf Twitter oder Facebook, wo wir alle neuen Touren und Sehenswürdigkeiten parallel veröffentlichen.

Liebe Grüße vom GPS Wanderatlas Deutschland

Freitag, 13. Juni 2014

Auf dem Alemannenweg durch den Odenwald

Per GPS geht es auf dem Alemannenweg von Michelstadt
einmal rund durch den nördlichen Odenwald
Der Alemannenweg ist einer der wichtigsten Fernwanderwege im Odenwald, einem ausgewiesenen Wandergebiet im Schnittpunkt von Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Der GPS Wanderatlas Deutschland stellt im Juni den Alemannenweg als GPS Wanderweg des Monats in sieben Tagesetappen vor.

Der Alemannenweg beginnt in Michelstadt, einer schmucken Kleinstadt etwa auf halber Strecke zwischen Heidelberg und Darmstadt. Startpunkt ist Schloss Fürstenau in Michelstadt. Durchs Rehbachtal wandert man westwärts zur Neunkircher Höhe (605m), dem zweithöchsten Gipfel im Odenwald, der vom 34m hohen Kaiserturm gekrönt wird, von dem man eine schöne Fernsicht über den Odenwald genießt.

Weiter geht es über den Felsberg (514m) zum Felsenmeer oberhalb von Lautertal-Reichenbach an der hessischen Bergstraße. Später erreicht man den Staatspark Fürstenlager Auerbach, Schloss Alsbach und den Melibokus (517m), auf dem man ebenfalls einen Aussichtsturm besteigen kann für einen ungestörten Panoramablick.

Über Burg Tannenberg wandert man auf dem Alemannenweg zur Burg Frankenstein und knickt dann wieder nach Osten ab, um das Modautal anzusteuern. Schloss Lichtenberg und die Veste Otzberg liegen am Weg, bevor man schließlich nach 136km wieder Michelstadt erreicht. 

Die gesamte Tour sowie die einzelnen Etappen auf dem Alemannenweg werden im GPS Wanderatlas inkl. der zugehörigen GPS-Daten vorgestellt.

Der GPS Wanderatlas ist ein redaktionelles Angebot des Wanderatlas Verlag mit Sitz bei Limburg an der Lahn. Der GPS Wanderatlas stellt Sehenswürdigkeiten, Ausflugsziele und Tourenvorschläge für die Wandergebiete Bergisches Land, Eifel, Oberhessen, Sauerland, Taunus und Westerwald vor. Mit über 1 Mio. Lesern ist der GPS Wanderatlas eines der führenden touristischen Informationsangebote in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz.

Mittwoch, 11. Juni 2014

Was passiert in einer Minute auf Facebook?

Eine schöne Infografik (Ursprungsquelle: SumoCoupon, hier zitiert nach InsideFacebook) zeigt, was alles innerhalb einer Minute im führenden sozialen Netzwerkdienst Facebook passiert. Interessante Einzelaspekte: Jede Minute werden von den rund 1,2 Milliarden aktiven Facebook-Nutzern 243.055 Fotos hochgeladen und geteilt, 150.000 Botschaften verschickt, 3,1 Millionen Likes innerhalb von Facebook und 15,3 Milionen Likes von anderen Websites vergeben. Jeden Tag wählen sich bei Facebook derzeit 757 Millionen Menschen ein, um zu kommunizieren und Inhalte zu teilen. 
Was passiert innerhalb von einer Minute auf Facebook? (Quelle: InsideFacebook)

Donnerstag, 5. Juni 2014

6,7 Milliarden Mobilfunkverträge weltweit - Q1 2014

Stand 2014 gibt es 6,8 Milliarden aktive Mobilfunk-
Verträge weltweit (Quelle: Ericsson)
Der aktuelle Mobility Report des schwedischen Netzwerkausrüsters Ericsson stellt aktuelle Zahlen über die weltweite Nutzung von Mobiltelefonie vor. Danach sind Stand erstes Quartal 2014 6,8 Milliarden aktive Mobilfunkverträge in Betrieb. Diese Zahl, so die Prognose, soll in den nächsten fünf Jahren auf 9,2 Milliarden wachsen.

Von den 6,8 Milliarden aktiven Mobilfunkverträgen entfallen zur Zeit 1,9 Milliarden auf Smartphones. Die Zahl von internetfähigen Mobiltelefonen soll bis 2019 laut Ericsson auf 5,6 Milliarden wachsen. 

Das meiste Datenvolumen zieht auch im mobilen Bereich die Nutzung von Videoinhalten. Videoclips sind für rund 40% des gesamten mobilen Datenvolumens im Internet verantwortlich. 

Knapp 2 Milliarden neues Fotos kommen täglich ins Internet

Stand 2014 werden täglich etwa 1,8 Milliarden Fotos
neu ins Internet geladen (Quelle: KPCB)
Eine interessante Aufstellung über die wichtigsten Photo Sharing Sites im Internet zeigt: Rund 1,8 Milliarden (1.800.000.000) Fotos werden Stand 2014 täglich hochgeladen und mit Freunden getauscht. Das sind das Jahr über rund 657 Milliarden neue Bilder, die das Internet erweitern. Die beiden wichtigsten Dienste sind dabei nicht mehr Facebook oder klassische Fotoseiten wie Flickr, sondern WhatsApp und Snapchat. 

Dienstag, 3. Juni 2014

Nutzung von Kommunikations-Endgeräten

Nutzung von Kommunikationsendgeräten Stand 2013
Quelle: KPCB

Im aktuellen Internet Report 2014 des VC-Gebers KPCB stellen die Analysten auf einer Folie die Zahlen der tatsächlich genutzten Kommunikationsendgeräte - also Fernsehapparate, Mobilttelefone, Smart Phones, Laptops, Desktop-PC und Tablet-PC zusammen. Das ist insoweit aufschlussreich, das man hieran gut erkennt, warum nach wie vor das TV-Ökosystem weltweit die meisten Werbeumsätze einspielt und warum sich Unternehmen massiv bemühen, die TV-Geräte ans Internet anzudocken.

Montag, 2. Juni 2014

9 Goldene Regeln für eine erfolgreiche Pressemitteilung

Für eine erfolgreiche Pressemitteilung braucht man
eine Struktur. Im Kern sind es neun Elemente, die
man benötigt, um die Eckdaten für eine Pressemitteilung
zu erarbeiten, auf deren Basis man dann mit dem
Austexten beginnen kann.

Das Brot- und Butter-Geschäft der Public Relations ist das Verfassen von Pressemitteilungen. Diese sollen dazu führen, dass Journalisten (und andere Multiplikatoren) das von Ihnen behandelte Thema aufgreifen und weiterverbreiten. Die Grundregel ist einfach: Nur eine weiterveröffentlichte Pressemitteilung ist eine gute Pressemitteilung. 

Damit ein Multiplikator eine Pressemitteilung überhaupt liest und ggf. darüber einen Bericht schreibt oder manchmal sogar den gelieferten Text nahezu wörtlich übernimmt, braucht es eine Struktur. Der Unterschied zwischen Amateuren, die vielleicht auch gute, aber meist erfolglose Pressemitteilungen schreiben, und Profis, deren Pressemitteilungen aufgegriffen und veröffentlicht werden, liegt einzig daran, dass Profis strukturiert arbeiten und Laien nicht.

Was für eine Struktur kann man für das Verfassen erfolgreicher Pressemitteilungen verwenden? Ich empfehle meinen Erstsemesterstudenten im Fach Medien Management neun Grundregeln. Die sind nicht die Hohe Schule der Pressemitteilung, aber sie sind die Basis, auf der jeder - egal ob ein begabter Schreiber oder nicht - eine erfolgreiche Pressemitteilung erstellen kann.

1. Thema (topic)

Was sind die Fakten? Ähnlich wie im (guten) Journalismus sollte man in der PR mit Recherche beginnen. Was gibt das Thema her, welche Randaspekte gibt es, gibt es relevante Daten, Journalist, dem man die Pressemitteilung schickt - kann man eine überzeugende Mitteilung gestalten.

Nehmen wir als Beispiel folgendes Thema: Eine private Hochschule möchte auf den Start des Wintersemesters hinweisen.

2. Ziel (goal) und Maßnahme (objective)

PR ist ein Instrument, dass Organisationen einsetzen, um ihre Ziele zu erreichen. Daher müssen sich auch die PR-Maßnahmen an Zielen orientierten. Auf übergeordneter Ebene unterscheidet man drei Typen von Zielsetzungen in der PR: Soll die Pressemitteilung eine konkrete Aufgabe lösen oder soll sie helfen, die Beziehung zu Anspruchsgruppen zu gestalten oder soll sie den Ruf der Organisation verbessern. Im Englischen nennt man das task management goals, relationship management goals und reputation management goals.

In unserem Beispiel sind wie bei fast allen Themen alle drei Zieltypen denkbar:
  • task management goal: Wir möchten vor der Eröffnung des Semesters noch 20 zusätzliche Studenten gewinnen.
  • relationship management goal: Wir möchten die Beziehung zu Eltern aufbauen, deren Kinder demnächst die Hochschulreife machen.
  • reputation management: Wir möchten unser Bildungsangebot als "Studium mit Erfolgsgarantie" verankern und die wahrgenommene Qualität steigern.
Weiß man, welchem übergeordneten Ziel die Pressemitteilung dient, sollte man möglicht konkret vorab festhalten, was man genau tun will, um dieses Ziel mit der Pressemitteilung zu erreichen. Dafür empfiehlt es sich, die Aktivität SMART zu formulieren, also spezifisch, messbar, anwendbar, relevant und termingebunden.

Für das genannte relationship management goal könnte man z.B. formulieren: Verbreiten einer Pressemitteilung (spezifisch) an hundert Journalisten (anwendbar), die in Medien arbeiten, die von gut verdienenden Eltern im Alter von 45-60 genutzt werden (relevant), um dadurch für eine Informationsveranstaltung für Eltern im Rahmen der Semestereröffnung zwanzig Interessenten am Campus zu begrüßen (messbar).

Wichtig: Ohne eine konkrete Zielsetzung ist man nicht in der Lage, zu sagen, wen man warum ansprechen will. Wer ohne Ziel eine Pressemitteilung schreibt, ist ein Autor und sollte eher in die Literatur wechseln. PR Profis nutzen Sprache, um Ziele umzusetzen.

3. Zielgruppe (target group)

Die erste Zielgruppe, die wir direkt ansprechen, sind die Multiplikatoren (also in der Regel Journalisten). Doch unsere eigentliche Zielgruppe sind natürlich die Eltern. Wir brauchen die Journalisten als objektive und glaubwürdige Berichterstatter, die unser Thema verbreiten können, doch wir schreiben die Pressemitteilung nicht für die Journalisten. Wir schreiben die Pressemitteilung für unsere eigentlichen Zielpersonen, die - und da ist die Klammer - zugleich auch die Zielpersonen der Journalisten sein sollten. Das heißt (ähnlich wie in der Mediaplanung): Wir müssen festlegen, wen wir erreichen wollen und planen dann, welche Medien diese Zielgruppen nutzen, um daraus festzulegen, welchen einzelnen journalistischen Titeln wir unsere Pressemitteilung zusenden.

4. Nachrichtenwert (news factor)

Eine Nachricht ist ein Ereignis, das zu einer Nachricht gemacht wird. Jedes Ereignis, sei es noch unbedeutend, kann zu einer Nachricht werden, wenn Menschen beginnen, darüber öffentlich zu sprechen. 

Was macht ein Ereignis zu einer Nachricht? Vielfach ist es die Tatsache, dass das Ereignis von Journalisten in den öffentlichen Raum gebracht wird.

Wie entscheiden Journalisten, wann ein Ereignis eine Nachricht wird? Diese Frage stellten sich bereits in den 1960er Jahren zwei Forscher aus Norwegen und sie entdeckten, dass es nur einige wenige Faktoren sind, die Ereignisse berichtenswert machen. Galtung und Ruge ermittelten zwölf - zugegebenermaßen etwas abstrakt klingende - Nachrichtenwerte. Mit diesen sollte man sich als PR Profi intensiv beschäftigen denn sie stellen letztlich das einzige Mittel dar, mit der wir die Erfolgschancen auf Veröffentlichung hebeln können. Ich weise dafür gerne auf die kostenfrei im Netz verfügbare Originalstudie von Galtung und Ruge hin.

Was uns im Kern interessiert: Bevor man anfängt zu schreiben, sollte man sich genau darüber klar sein, was der Nachrichtenwert des Themas ist, über das man eine Pressemitteilung verfasst. Und meistens ist es so, dass das Thema selbst diesen Nachrichtenwert nicht mitbringt, sondern die PR Profis diesen erzeugen müssen. Das ist zugegebenermaßen nicht immer einfach. Aber ohne Nachrichtenwert kann man sich das Schreiben einer Pressemitteilung auch gleich sparen.

Ob man einen Nachrichtenwert hat oder nicht, kann man ganz praktisch feststellen: Wenn man für ein Ereignis - selbst ein langweiliges, wie die Studienjahreröffnung - etwas findet, das man in einem Satz zu seinem Kollegen drei Tische weiter rufen kann und der sagt: "Hej, das ist gut" - dann hat man eine Nachricht (mir gefällt in diesem Zusammenhang der von Henri Nannen geprägte Begriff "Küchenzuruf": Den Kern einer Nachricht kann man problemlos vom Wohnzimmer, wo die Nachrichten im TV laufen, in die Küche rufen und mit einem Satz den Kern der Nachricht auf den Punkt bringen).

Für unser Beispiel könnte man als Nachrichtenwert z.B. eine Kombination aus "reference to something negative" und "meaningsfulness" verwenden. Eltern fürchten nichts mehr, als dass ihre Kinder scheitern oder unter die Räder kommen. Bei Abbrecherquoten von fast einem Viertel an öffentlichen Hochschulen, ist diese Gefahr real. Private Hochschulen haben eine vier Mal geringere Abbrecherquote (keine Frustation) und bereitet optimal auf die berufliche Karriere vor (meine Kinder sollen es gut haben).

Hat man seinen Nachrichtenwert gefunden, dann braucht man noch fünf Kleinigkeiten, um diesen zu konkretisieren, die bekannten fünf Ws, hier durch dekliniert an unserem Beispiel:
 

5. Wer (who)

BiTS Hochschule
 

6. Was (what)

lädt zur Eröffnung des Studienjahrs

7. Wo (where)

an den Campus Berlin

8. Wann (when)

am 5. Oktober 18.00

9. Warum (why)

um Eltern zu informieren welche Möglichkeiten es gibt, für Ihre Kinder eine optimale Ausbildung sicherzustellen.

Mit diesen neun Elementen ist man nahezu nicht mehr in der Lage, eine "schlechte" Pressemitteilung zu schreiben, denn der rote Faden ist klar und einfach. Selbst wenn man nicht die beste "Schreibe" hat, kann man durch diese neun Regeln eine verständliche und überzeugende Pressemitteilung schreiben, die alle Chancen hat, veröffentlicht zu werden.