Freitag, 30. September 2016

Digital Journalism: Vergesst Geschäftsmodelle. Baut Produkte, die begeistern!

Journalistische Ausbildung, die sich an klaren Qualitätskriterien orientiert, ist der entscheidende Hebel, um Journalismus zu professionalisieren und dadurch letztlich auch die Finanzierung sicherzustellen.
Was ist eigentlich guter Journalismus? Von dieser Frage ausgehend, haben Björn Krass (aka Tim Thaler) und ich uns im Frühjahr verschiedene Male zusammengesetzt und darüber von verschiedenen Positionen aus diskutiert. Die Ergebnisse dieser Diskussionen sind in einem Artikel zusammengefasst, der jetzt in dem Sammelband Atmosphären des Populären II veröffentlicht wurde.


Will man unsere Überlegungen verdichten, sind es letztlich drei Punkte, mit denen wir uns auseinandergesetzt haben: Zunächst ganz grundlegend die Frage, was Journalismus eigentlich ist, was er leistet und was ihn unterscheidet von anderen Formen öffentlicher Kommunikation.

Im zweiten Kapitel untersuchen wir die Frage journalistischer Qualität und verbinden dabei gängige Qualitätskonzepte mit den journalistischen Kernkompetenzen der Recherche, Produktion und Veröffentlichung. Dies führt im Ergebnis zu einer Matrix mit neun Qualitätsfeldern.
Journalistische Qualitätsmatrix: Wo entsteht Qualität im Journalismus? (Quelle: Becker/Krass 2016: S. 265)

Im letzten Kapitel schließlich diskutieren wir die Fragestellung, wie die heutigen Ausbildungswege im Journalismus sich in Bezug auf diese neun Journalismus-Kompetenzen darstellen. Die gängige Praxis - Abschauen von den erfahrenen Kollegen und selber machen - verspricht nur mäßigen und vor allem nicht skalierbaren Erfolg. 

Wir vergleichen diese Art der Ausbildung von Journalisten heute, im Zeitalter der Digitalisierung, mit dem Niveau der medizinischen Ausbildung im 19. Jahrhundert. Man kann schon Einiges, ist aber weit entfernt von dem, was Medizin heute zu leisten in der Lage ist. Im Ergebnis sehen wir große Potenziale, die Leistungsfähigkeit von Journalismus zu steigern und dadurch mittelfristig auch die Frage nach der Finanzierbarkeit von Journalismus aufzulösen. Denn anstatt neue Geschäftsmodelle für obsolete Produkte zu finden, wäre es sinnvoller, daran zu arbeiten, den Wert des Angebots zu erhöhen. Und der Hebel dafür liegt in der journalistischen Ausbildung. 

Wer sich für diese Thematik interessiert: Der komplette Artikel ist kostenfrei einsehbar. 

Becker, Thomas und Björn Krass (2016): Kill Your Idols. Journalistenausbildung in der digitalen Transformation, in: Ulrich Wünsch (Hrsg.): Atmosphären des Populären II. Perspektiven, Projekte, Protokolle, Performances, Personen, Posen. Beiträge zur Erkundung medienästhetischer Phänomene, Berlin: Uni-Edition, S. 229-289

Bildnachweis (Titelbild): Green Chameleon  unter CC0

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